Kindergarten

Ein verhexter Besuch

Befana ist nach italienischem Volksglauben eine Hexe, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf einem Besen von Haus zu Haus fliegt, Geschenke bringt, straft und spukt. Im Laufe der Zeit haben die positiven Aspekte ihrer Gestalt überwogen, so gilt sie heute in erster Linie als gute Fee.

In Italien ist es Brauch, dass die Kinder ihre Strümpfe an den Kamin hängen, damit die Hexe sie mit Gaben füllen kann. In der Nacht kommt sie durch den Schornstein in die Häuser und steckt den braven Kindern Süßigkeiten und Geschenke in die Strümpfe. Aber Achtung! Unartigen Kindern wird nur Kohle in den Strumpf gefüllt. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nicht um echte Kohle, sondern um "carbone dolce", eine schwarz gefärbte Zuckermasse, die wie Kohle aussieht.

Am 15. Januar 2016 herrschte große Aufregung im Kindergarten der ESM, als die Hexe Befana aus Italien den Kindern einen Besuch abstattete. Die gute Hexe war wie immer etwas verwirrt und orientierungslos. So landete sie zunächst in der Turnhalle der Grundschule, wo sie bei unseren lieben Kollegen vom Sicherheitsdienst für große Verwunderung sorgte. Sie fragten sich, um welchen Besucher der Schule es sich bei der schrulligen Gestalt mit zerlumpter Kleidung, Kopftuch und Besen wohl handelte. Doch diese alte Hexe kennt sich bestens mit Zauberformeln aus und so schaffte sie es kurzerhand vor der richtigen Tür, nämlich der des Kindergartens, zu stehen.

Voller Freude begrüßte sie die Kinder, die mit leuchtenden Augen auf sie gewartet haben. Die italienischen "bambini" trugen Lieder und Gedichte in ihrer Muttersprache vor. Ebenso wurde die Legende der Befana als Theaterstück aufgeführt. Man erzählt sich, dass die Heiligen Drei Könige bei der Suche nach dem Christkind am Haus der Befana vorbeikommen seien. Sie luden die Befana ein, sie zu begleiten, diese lehnte jedoch ab, da sie beschäftigt war. Einige Zeit später bereute die Hexe ihre Entscheidung. So machte sie sich doch noch auf die Suche nach dem Christkind, aber da der leuchtende Stern verloschen war, konnte sie es nicht finden. In der Hoffnung, dass eines der Kinder das Christkind sei, flog die Befana mit ihrem Besen von Haus zu Haus und machte Kindern Geschenke.

Die Kindergartenkinder waren alle brav und erhielten zu Recht die heißgeliebte, süße "carbone", woraufhin alle zum Lied "La bella bimba" ausgelassen tanzten. Nun war der Zeitpunkt des Abschieds gekommen, denn die Befana musste noch Kinder in Russland mit einem Besuch beglücken. Sie versprach aber nächstes Jahr um die gleiche Zeit wieder zukommen! Sie bestieg ihren Zauberbesen und verabschiedete sich mit einem "Arrivederci bambini!".

König für einen Tag

Caspar, Melchior und Baltasar sind die ersten gewesen, die damals alles hinter sich zurück gelassen haben. Die drei Weisen aus dem Morgenland folgten einem Stern nach Bethlehem, wo Jesus in der Krippe lag.

Das Dreikönigsfest wird jedes Jahr im Kindergarten nachgefeiert. So begingen am 14. Januar 2016 die französischen und die spanische Gruppen gemeinsam ihre Aktivitäten zu "Les trois Rois" bzw. "Los Tres Reyes Magos". Im Vorfeld wurde in den einzelnen Gruppen über dieses Fest gesprochen: über die Rolle der heiligen drei Könige und welche Geschenke sie dem Christuskind brachten. Für das Fest bastelte jedes Kind eine Krone.

Am Festtag zogen dann die französischen und spanischen Kinder durch alle Klassenzimmer und stellten sich dort den anderen Kindern vor, indem sie ihre Lieder sangen und die heiligen drei Könige ihre Gaben: Gold, Myrrhe und Weihrauch vorzeigten. Zum gemeinsamen Fest in der Turnhalle gab es traditionsgemäß "Roscón de Reyes, einen spanischen Dreikönigskuchen," sowie den französischen "Galette des Rois", die in Frankreich verbreitete Version, die eine "fève" (dicke Bohne) als Überraschung enthält. Dazu wurde leckere heiße Schokolade serviert. Anschließend lauschten die Kinder gebannt der Dreikönigsgeschichte auf Französisch und Spanisch.

Traditionen und Bräuche schaffen Gemeinschaft und Identität. Gleichzeitig zeigen sie auch den jüngsten Europäern an unserer Schule, wie vielseitig unser Kontinent tatsächlich ist.

Grundschule

Trommeln ist pure Energie

Kinder haben Spaß am Trommeln, denn es verbindet Bewegung, Sprechgesang und Musik. Ein kreatives Klang- und Rhythmusabenteuer bietet der Trommelkurs TAMTAO, der zweimal jährlich in der Grundschule während der regulären Unterrichtszeiten abgehalten wird und in diesem Schuljahr vom 12. - 16. Oktober 2015 und vom 25. - 29. Januar 2016 für die die 1. - 5. Klassen aller Sprachabteilungen stattfand.

Auf spielerische Weise lernen die Kinder den Umgang mit der Trommel und elementare Schlagtechniken. Zugeschnitten auf ihre individuellen Bedürfnisse, erkunden sie dabei einfache Klangfolgen und trommeln eingängige Rhythmussequenzen mithilfe von Sprechgesängen.

Die Rhythmen und Trommelsequenzen variieren teilweise nach Jahrgangsstufen. Durch aufmerksames Zuschauen und Hinhören lernen die Kinder auf spielerische und musikalische Weise geistesgegenwärtig zu sein und ihre Konzentration, ähnlich wie im Klassenzimmer auf den Lehrer, gezielt auf den Dirigenten zu richten. Darüber hinaus fördert Trommeln das Gemeinschaftsgefühl. Denn jeder ist wichtig für das harmonische Zusammenspiel. Gerät einer aus dem Takt, wirkt sich das auf alle aus. Einander zuhören hat also auch beim Trommeln oberste Priorität.

Der Trommelkurs TAMTAO ermöglicht den teilnehmenden Kindern, in kurzer Zeit spürbar Fortschritte zu machen und ein gutes Rhythmusgefühl zu erlangen. Sie können sich kreativ auspowern und ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Das bereitet viel Freude und sorgt für neue Energie!

Höhere Schule

Tanzsensation aus Afrika

"Vom staubigen Innenhof auf die internationale Bühne", so beschreibt der amerikanische Fernsehsender CNN in einem Beitrag den sensationellen Erfolg der Hip Hop/Breakdance-Formation "Tabu Flo" aus Uganda, was so viel bedeutet wie "fließendes Chaos". Abdul Kinyenya Muyingo, kurz genannt auch Abdanger, einer der Tänzer aus dem Tabu-Flo-Team und ist an der ESM zu Gast gewesen. Am 19. und 22. Januar 2016 studierte er mit Schülern der Höheren Schule funkige und groovige Moves zur passenden Musik ein.

Uganda wird häufig mit Diktatur und Bürgerkrieg in Verbindung gebracht. Aber es hat auch die jüngste Bevölkerung der Welt. Fast 70 Prozent der ugandischen Population sind Jugendliche. Da verwundert es kaum, dass ein Hip Hop/Breakdance-Projekt, wie das von Tabu Flo, auf eine so große Resonanz gestoßen ist. "Wir hatten so viel Energie, und wir mussten uns irgendwo auspowern", sagt Abdanger. Da Hip Hop und Breakdance viel dynamischer sind als der traditionelle afrikanische Tanz, fiel die Wahl nicht schwer.

Das Tanzfieber verbreitete sich im Nu nicht nur in der Hauptstadt Kampala, sondern auch über die ugandischen Grenzen hinaus. "Als wir anfingen zu tanzen, ging es ab wie ein Buschfeuer", erklärt Abdanger den internationalen Durchbruch. Wie schon sein Kollege Philip Buyi, der die ESM im November 2013 besuchte, ist Abdanger ebenfalls ein international bekannter Tänzer, Choreograf und Filmemacher und bereits mehrfach erfolgreich durch Europa getourt, um mit Schülern und Studenten gemeinsam zu tanzen.

Nach einer kurzen Performance in der Aula vor hunderten von Schülern der Höheren Schule, gab der Künstler an zwei Tagen Workshops im Bereich Afro Hip Hop und Breakdance. Eingeladen mitzutanzen waren Schüler und Lehrkräfte, die Freistunden oder Vertretungsstunden hatten. Und so kam es, dass die Sporthalle durchweg brechend voll war! Abdanger gelang es mühelos, Mädchen wie Jungen, Jung wie Alt, sofort in den Bann zu ziehen und sie zu motivieren, auch ungewohnte Schrittfolgen und Figuren zu tanzen.

In Uganda versucht dieses von Jugendlichen gegründete Tanzprojekt positive soziale Veränderungen anzustoßen. Bei uns entfacht es Tanzfieber und pure Lebensfreude, die den unvergleichlichen "Tabu-Flo-Touch" hat: chaotisch, fließend, spritzig und improvisiert.

Preise für junge Abenteurer

Bei der International-Award-Verleihung am 8. Januar 2016 im "Alten Hof" in Vaterstetten hat es dieses Jahr eine Rekordzahl an Absolventen gegeben, insgesamt 66.

Sowohl der Direktor der Höheren Schule, Anton Hrovath, der das Programm und seine Bedeutung für die Entwicklung junger Menschen gekonnt auf den Punkt brachte, als auch Klaus Vogel, Vorsitzender des deutschen "The Duke of Edinburgh's International Award" gratulierten in ihren eindrucksvollen Reden den Schülern zum "hart verdienten" Erfolg.

Vor allem die 12 Gold-Absolventen haben das Motto des Programms "du kannst mehr als du glaubst" an sich selbst erfahren können. Es ist tatsächlich nicht so leicht und vor allem auch sehr zeitaufwendig, die einzelnen Teilbereiche des Awards abzuschließen. Ausdauer, Konsequenz und vor allem selbständiges Planen sind gefragt. Und natürlich Teamfähigkeit, ohne die keiner der Absolventen seine Expedition geschafft hätte. Eine wirklich großartige Leistung - und das bei der ohnehin schon beträchtlichen zeitlichen Auslastung in einer Ganztagsschule.

Klaus Vogel überbrachte außerdem Grüße von den 2.000 anderen Teilnehmern in Deutschland, der ganzen deutschen "Award family", und sprach einen großen Dank an alle ehrenamtlichen Helfer und die drei Lehrerinnen, die den Award an der ESM betreuen, aus. Nur durch das großartige Team der Supervisor, Trainer und Gutachter gelingt es der ESM jedes Jahr, unglaublich spannende und abenteuerliche Expeditionen in Gebieten Europas durchzuführen, wo noch ursprüngliche Wildnis zu finden ist. So waren die Silber-Absolventen alle für vier Tage in Schottland (Cairngorms-Highlands) und die Gold-Award-Absolventen legten immerhin fast 80km im Rondane-Nationalpark in Norwegen zurück.

Das Programm hat an der ESM im vergangenen Jahr erheblich an Bedeutung gewonnen und ist nun weit stärker als bisher in die schulischen Aktivitäten integriert. Wir freuen uns sehr, dass die Schulleitung unsere Arbeit so stark unterstützt.